Frage des Bonner General Anzeigers: Macht Ihnen das Angst?
Plöger: Angst kann dazu führen, dass man in Schockstarre verfällt. Bei mir ist es so: wenn ich Angst habe, dann weiß ich nicht mehr richtig, was ich machen soll. Die Angst vor dem Klimawandel kann dazu führen, dass die Menschen sagen: das kriegen wir nicht mehr hin, jetzt ist auch egal, ob wir noch etwas tun. Dann wird die Klimakatastrophe zu selberfüllenden Prognose.
Wenn man unser Wissen über den Klimawandel und unser Verhalten vergleicht, müssen wir aktuell leider zur Schlussfolgerung kommen: die menschliche Gesellschaft ist für die Lösung dieses Problems nicht reif! Punkt! Aber das will ich nicht akzeptieren: wer will schon seinen Kindern ins Gesicht sagen: ich möchte, dass es dir später schlechter geht als mir, darum verhalte ich mich jetzt so ignorant.
Frage: was ist Ihr Ansatz?
Plöger: wir kennen die Stellschrauben, mit denen wir das Schlimmste verhindern können. Wir müssen sie trotz der krisengebeutelten Zeit in die richtige Richtung drehen. Aber weltweit und auch in Deutschland fällt das Thema „Kampf gegen den Klimawandel“ in der Aufmerksamkeit gerade unfassbar zurück. Deshalb müssen wir mehr Begeisterung für Nachhaltigkeit wecken. Pessimismus und Aufgeben kommen deshalb für mich nicht in Frage. Und wir dürfen nicht vergessen, dass nicht nachhaltiger Wohlstand den Wohlstand „frisst“. Das ist Physik, und der sind unsere und der sind unsere Befindlichkeiten gleichgültig.
Die Transformation zur Nachhaltigkeit wird kommen – ob wir es wollen oder nicht. Wir sollten das auch als ökonomische Chance betrachten.
Frage: kann die aktuelle Hitzewelle ein Weckruf sein oder lässt sie uns weiter abstumpfen?
Plöger: die Gefahr des Abstumpfens besteht leider. Wir erleben immer wieder, dass der Mensch die Fähigkeit hat, sich an alles mögliche zu gewöhnen, wenn er nicht unmittelbar an Leib und Leben betroffen ist. Trotzdem sehe ich die Chance, dass die Hitzewelle die Aufmerksamkeit wieder stärker auf das Thema Klimawandel lenkt.
Frage: Sie gelten in Sachen Klimawandel bislang als ruhiger Mahner. Ist es jetzt auch für Sie Zeit, lauter und deutlicher zu werden?
Plöger: ich benenne Probleme und Zusammenhänge schon seit langem sehr deutlich. Und wenn es etwas bringen würde, würde ich auch lauter werden. Aber meine Erfahrung ist, dass laute Einmischung ins Leben anderer Menschen eher zu Reaktanz, ich sage gerne zu „pubertären Widerstand“ führt. Man kann Menschen nicht mitnehmen, wenn man ihn etwas aufdrängt. Daher spar ich mir diesen Schritt und bleibe beim Inhalt! Wenn alle sich die Köpfe heiß reden, bringt das niemanden voran. In diese aufgeregte Kakophonie von extrem Positionen möchte ich nicht einstimmen. Statt apokalyptische Szenarien zu entwerfen, möchte ich lieber Chancen aufzeigen.